Dülfer – Fleischbank Ostwand

In einer kaiserlichen Kletterarena

Mit klettern war in diesem Jahr noch nicht viel, bzw. waren die Bedingungen für alpinere Mehrseillängenrouten bis dato nicht optimal. Und leider hat man ja auch nicht immer dann Zeit, wenn das Wetter passt. Doch an diesem Feiertag wollten Hias und ich wieder mal was gscheites machen, am besten im Kaiser. Entweder Fleischbank Ostwand die Dülferführe oder Predigtstuhl Westwand mit der Schüle-Diem/Haslacher-Behringer. Zwei absolute Klassiker im Bereich der steinernen Rinne im sechsten Schwierigkeitsgrad. Wir entscheiden uns für die Dülfer (VI), primär wohl deshalb weil die Schüle-Diem/Haslacher-Behringer sicherlich noch um einiges anhaltender ist, und wir dazu noch zu wenig Klettermeter in den Armen haben. Trotz eines frühen Aufbruchs von der Griesneralm zieht sich der Weg über den Eggersteig durch die steinerne Rinne bis knapp unser das Ellmauer Tor deutlich. In der gesamte Ostwand-, Südostwand der Fleischbank sowie am Fleischbankpfeiler gibt es unzählige Kletterrouten, keine davon wirklich leicht, die meisten richtig ernsthaft bis extrem schwer. Schon beim Zustieg bekommt man weiter oben einen guten Einblick in die Route, und auch eine Menge Respekt. Einfach unglaublich, dass Hans Dülfer und Werner Schaarschmidt diese Route bereits 1912 klettern konnten.

Beim Rucksackdepot wird klar, dass wir heute im Bereich der Ostwand nicht die einzigen sind, denn eine zweite Seilschaft macht sich bereits auf den Weg zum Einstieg. Die beiden jungen Tiroler wollen die „Kleine Harmonie“ (VIII-) klettern. Somit müssen wir uns nur die erste (Zustiegs-)Seillänge teilen. Als ich gerade seilfrei die zweite Seillänge zum eigentlichen Start der Dülfer unter dem Vorsteiger der Tiroler Seilschaft quere, stürzt dieser in der Schlüsselseillänge und kommt weit nach unten. Nicht gut für die Moral, die beiden geben die Route auf und machen sich auf den Weg in Richtung Ellmauer Tor. Auch Hias und ich sind moralisch etwas aus dem Gleichgewicht und entschließen uns dafür, die letzten Meter vor dem Stand doch zu sichern. Nun kurz durchatmen und auf gehts in die Dülfer. Gleich in der dritten Seillänge wird klar, dass hier schon etliche Generationen von Kletterern versucht haben. Kaum ein größerer Tritt oder Griff, der nicht komplett glatt poliert ist. Teilweise ist es einfacher kleine, dafür raue Griffe, Leisten, sofern vorhanden, zu verwenden. Der erste Quergang in der der 6. Seillänge geht dann an mich. Die Absicherung in der Länge ist für so eine Route sehr gut. Generell wurde die Route sanft saniert, sodass der Charakter weitestgehend erhalten geblieben ist. Alle Standplätze sind mit zumindest einem Klebehaken redundant ausgeführt und an wenigen Stellen wurden alte Schlaghaken durch Klebehaken ersetzt. Beim zweiten, technisch eigentlich einfacheren Quergang in der 9. Seillänge muss man dann schon etwas Nerven bewahren und sauber klettern. Hias meistert die Querung ohne Probleme, und auch im Nachstieg darf man die Ausgesetztheit vollends genießen. Nach drei leichten Längen kommen dann die Ausstiegsrisse der Dülfer, wo man dann nochmals etwas hinhalten darf. Im vergleich zu den unteren Seillängen sind die Risse sehr gut kletterbar. Man kann zwar auch hier erkennen, dass bestimmte Tritte und Griffe besonders beliebt sind, aber der Fels ist in Summe deutlich rauer. Außerdem stecken unzählige Haken in diesen letzten Seillängen, sodass man sich schon fast wie in einer Sportkletterroute vorkommt. Doch mit schwindender Kraft in den Armen hilft das für die Moral enorm und man nimmt das viele Klinken gerne in Kauf. Über den Nordgrat geht es dann noch in leichter Kletterei auf den Gipfel bevor ein (wie im Kaiser üblich) nicht trivialer Abstieg auf uns wartet. Beim Klettern haben wir uns nicht sonderlich beeilt, man könnte auch sagen, wir haben richtig getrödelt, darum ist es schon späterer Nachmittag als wir am Gipfel eine länger Pause machen. Das direkt gegenüberliegende Totenkirchl wirkt wie ein steiler, unbesteigbarer Felszacken. Vor knapp zwei Jahren stand ich dort am Gipfel, nachdem Rene und ich die Dülfer in der Totenkirchl Westwand geklettert sind. Damals wie heute hatte ich das Glück, dass wir die einzigen Aspiranten für die Route waren, und somit das Klettern in diesen historisch bedeutungsvollen Führen in vollen Zügen genießen konnten.

Beim Abstieg steigt und klettert man zuerst durch sogenannte Schöllhornrinne ab, bevor in Richutung Süden gequert werden muss. Nach einem einem kleinen Gegenansteig erreicht man einen Absatz am Nordgrat der Karlspitze, von dem dann erneut abgeklettert und abgeseilt werden muss. Der gesamte Abstieg ist mit roten Punkten deutlich markiert und alle Abseilstände sind vorbildlich mit Bohrhaken und Kette ausgeführt. Nach etwas über einer Stunde stehen wir dann knapp unterhalb des Ellmauer Tors wieder bei unserem Rucksackdepot und werfen nochmals einen Blick in unser heutiges Kletterprojekt. Obwohl technisch einfach, ist die Dülfer einen wirklich lässige Route, die ihrem Nimbus nicht zuletzt durch das unvergleichgliche Ambienten in dieser Kletterarena gerecht wird. Somit wird dann wohl in nächster Zeit, oder sobald möglich, die Schüle-Diem/Haslacher-Behringer fällig?!

  • Alpenvereinskarte 8 | Kaisergebirge
  • Kompass-Karte 9 | Kaisergebirge
  • Fleischbank (2186 m)

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